Sechs kleine Ideen für das Berliner Fenster

Berliner FensterWer mit der Berliner U-Bahn fährt, wird entdeckt haben, dass die Fahrgäste permanent an die Decke starren. Woran liegt das? An dem sogenannten Berliner Fenster, dem Fernsehprogramm der BVG, das auf kleinen Bildschirmen übertragen wird.

Die Sendung ist recht kurz und besteht aus einer Folge von Powerpoint oder Flash-Animationen, die Nachrichten, Werbung und andere Inhalte präsentieren.

Leider hat man aber oft das Gefühl, dass das Medium nicht ausreichend genutzt wird. Ist es zu einfallslos, zu oberflächlich und zu wenig informativ?

Für Journalisten ist es sicherlich eine große Herausforderung, die Nachrichten der Welt auf 200 Zeichen zu reduzieren. Wer aber bei einer halbstündigen U-Bahnfahrt die Schlagzeilen schon auswendig rezitieren kann, wird sich sicherlich wie ich auch schon mal gedacht haben, dass der Unterhaltungswert des Berliner Fensters größer sein könnte.

Der 15 Minuten Zyklus wird vom Berliner Fenster dadurch begründet, dass die durchschnittliche Verweildauer eines U-Bahn-Passagiers so kurz ist. Vergessen wird aber, dass man oft mehrmals am Tag mit der U-Bahn fährt und so die Länge des Programms nicht ausreicht, um die Aufmerksamkeit der Fahrgäste zu fesseln.

Das Medium „U-Bahn-Fernsehen“ ist aber gerade deswegen sehr interessant, weil man zum einen durch das Format (zwei Bildschirme nebeneinander) interessante visuelle Effekte erzielen kann, zum anderen weil durch die hohe Reichweite (siehe auch Reichweitenstudie) fast jeder in Berlin erreicht werden kann. Wenn man noch die S-Bahn- und U-Bahnhöfe mit dem Berliner Fenster ausrüsten könnte, würde dies die Reichweite noch erhöhen.

Wie könnte aber das Programm verbessert werden? Um mehr Menschen zu erreichen, muss das Programm den Zuschauern mehr bieten als jetzt. Ich habe daher sechs Ideen zusammengetragen, die das Programm voller und interessanter machen würde.

1. Humor statt Willmor

Im Berliner Fenster erscheinen täglich die Willmor-Karikaturen. Auch wenn Katarina Landler und Jette Lopacz sich sicherlich sehr viel Mühe geben, würde ich auf Willmor lieber verzichten. Die Karikaturen sind meist so unlustig, dass es teilweise richtig schmerzt. Gut – ich kann selbst keine Karrikaturen erstellen, aber ein Karikaturen-Wettbewerb von Berliner Zeichnern wäre eine Möglichkeit, um noch mehr jungen Künstlern eine Plattform zu geben. Auch alte Zille-Zeichnungen wären schön. (Kleine Anmerkung: der Cartoon Wettbewerb wurde sogar schon umgesetzt – ich bin begeistert!)

2. Den Kiez ins Rampenlicht rücken

Sei einiger Zeit schon gibt es die Möglichkeit, Fotos von Berlin einzuschicken, die dann gezeigt werden. Man müsste das mit einer Belohnung oder einem Gewinn verknüpfen, ähnlich wie ich es in meiner Hinterhofkampagne vorgeschlagen hatte.

3. Die U-Bahn-Geschichte lebendig machen

Neulich musste ich auf der Station „Franz-Neumann-Platz“, eine der schönsten U-Bahnhöfe Berlins, umsteigen und war sehr erstaunt über die schöne Dekoration – ganz untypisch für die Linie U8. Um solche Zufallsentdeckungen zu fördern, könnte man doch pro Woche eine Station und deren Geschichte vorstellen – als Fortsetzungsroman. Ich kenne einige U-Bahn-Enthusiasten, die das sicherlich sehr gut machen würden.

4. Berliner Wissenschaftsideen

Berlin soll wieder eine Wissenschaftshochburg werden, sagen Berliner Politiker. Wer weiß aber schon, was die Physiker und Philosophen, die Mediziner und die Mathematiker gerade treiben? Wenn man die Berliner Professoren bitten würde, in einfachen Sätzen zu erklären, woran sie gerade arbeiten, dann würden die Berliner viel dazu lernen und auch mehr Verständnis für die Förderung des Hochschulstandorts Berlin aufbringen.

5. Boulevards der NGOs

Skatvereine, Menschenrechtsaktivisten, Tanzgruppen, Kleingärtner, Integrationsvereine – in Berlin gibt es viele kleine Vereine und Gruppierungen, die sehr wichtige Arbeit machen. Erst durch die Arbeit dieser Menschen wird eine Stadt lebenswert. Man könnte die Arbeit dieser Gruppen vorstellen, indem die NGOs etwas Platz im Berliner Fenster bekommen und dadurch das ehrenamtliche Engagement der Berliner würdigen.

6. Ausgehtipps mit dem Berliner Fenster

Abends um halb acht oder um halb elf auf der U2 Richtung Rosa-Luxemburg-Platz – wie nett wäre es, wenn dann ein paar Tipps zum Abendprogramm im dortigen Kiez über die Bildschirme laufen würde, vielleicht in Zusammenarbeit mit Stadtmagazinen wie Zitty oder dem Stadtkind? Aber es gibt ja noch mehr in Berlin zu entdecken: am Wochenende die besten Badeseen, unter der Woche die Berliner Museen, Galerien und Kulturprojekte. Was würdet Ihr gern im Berliner Fenster sehen? Ich hoffe, dass die Mitarbeiter des Berliner Fensters sich hier einige Anregungen holen konnten.

PS Übers Berliner Fenster schreiben noch andere Blogger, zum Beispiel Volkers Freunde, Markus, Leonard, F.der A., Kim-Björn, Gideon und beim Kreativblog. Magazino hat eine Geschäftsidee entwickelt, bei der im Berliner Fenster Produkte vorgestellt werden.

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