Der nette Schaffner und der störrische Taxifahrer
Brüssel am Freitag nachmittag ist eigentlich sehr schön, wenn man nicht gerade aus der Stadt will oder in die Stadt will oder sich zwischen zwei Punkten bewegen muß, die mehr als einen Kilometer auseinander sind.
Alle Brüsseler Beamten sind auf dem Weg zum Flughafen, verstopfen die Straßen mit ihren Autos und erwaermen die Metro.
Den ganzen Streß kann man vermeiden, wenn man etwas früher losfährt. Wer sich aber noch een Kopje und een Brodtje gönnt, muss manchmal een beetje zacke machen.
Die Metro war leider schon richtig voll, aber bewegte sich nicht. In der Brüsseler Metro gibt es so kleine Anzeigepunkte, auf denen man die Position der U-Bahn sieht. Auch diese bewegten sich nicht.
Mein mitreisender Christoph war gerade dabei per Telefon seinen Apple-Support-Vertrag zu verlängern, da faßten wir uns kurzerhand ein Herz und uns gegenseitig an die Hand und rannten aus der U-Bahn.
Auf der Strasse dann kein Taxi weit und breit, und wenn eins kam, dann voll mit Anzugträgern. Wir wiederum um keine Dekadenz verlegen gingen schwitzend und touristisch aussehend zum Hilton und setzten uns ins erste Taxi.
- Gare du midi, bitte. In 13 Minuten fährt der Zug.
- Geht nicht, Stau.
- Wie Stau? Die strasse ist doch frei. Noch 12 Minuten.
- Nehmen sie die Metro.
- Die Metro ist kaputt. Noch elf Minuten.
- Im Tunnel da vorne ist Stau.
- Egal, wir probieren es. Sind noch zehn Minuten.
- Das schaffen sie nie.
- Wenn sie nicht losfahren, nehmen wir das Taxi hintendran. Noch neun Minuten.
- Okay
Nach einer James-Bond-verdächtigen Raserei durch brüssel, einem 2km Sprint durch den Bahnhof, einer waghalsigen Stunteinlage in die offene Tür des ICEs, die der freundliche Schaffner für uns offen gehalten hat und damit erst mit dreiminütiger Verspätung losfuhr, konnten wir im Zug sogar vorne sitzen.
Leider ist die belgische Bahnlandschaft nicht so aufregend. Lüttich zum Beispiel hat sich einen neuen Bahhnhof gebaut, der aus riesigen Stahlbögen besteht, die nicht nur ueberdimensioniert sind, sondern schon jetzt rostig und grau sind, obwohl der Bahnhof noch gar nicht fertig ist. Ich schlage den HBF von Lüttich für den preis des hässlichsten Bahnhofneubau der Welt vor.