Funky Neukölln – Hauptstadt of Fashion and Money
Berlin-Neukölln ist für Schäuble ein Slum. Ich glaube das nicht, ich glaube, Berlin-Neukölln wird zum nächsten Modeparadies – Neukölln Fashion City.
Klar gibt es auch Schmuddel in Neukölln, aber in der U-Bahn und auf den Strassen sieht man auch viel Designerkluft und frische Mode. Gestern habe ich zwei Mädels gesehen im typischen Neuköllner Look. Beide in Baggypants, die eine mit einem pinken und einem gelben Converse-Treter sowie passenden T-Shirts, die andere unter den Baggypants Stretch-Leggings. In London dagegen herrscht Tristesse – überall nur lange Stiefel und Designerjeans.
In Neukölln stehen mehr teuere Autos rum als man denken könnte – und die gehören nicht nur den Drogendealern aus der Hasenheide. Hier in Neukölln gibt es eine blühende Schattenwirtschaft, die enorme Vermögen in den stillen Hinterhöfen ansammeln lässt. Viele Familien von Immigranten leben schon seit Jahren hier, haben sich ihre kleinen Geschäfte und ihren treuen Kundenstamm aufgebaut. Der Bäcker und Gemüsehändler um die Ecke sind das beste Beispiel für wirtschaftliche Synergien – beim Bäcker gibt es Erdbeerkuchen und beim Gemüsehändler belegte Brote.
Ich glaube, Berlin-Neukölln wird mal so glitzern wie jetzt Friedrichshain oder Prenzlauer Berg. Dort gibt es ja schon fast keine normalen Wohnungen mehr zu mieten, das heißt alle vernünftigen Leute ziehen da weg. Weil dann die Viertel aber nicht mehr in sind, ziehen die Yuppies den Vernünftigen nach Neukölln hinterher. Ob die Yuppies aber die alteingesessenen Familien in Neukölln ablösen können, möchte ich aber bezweifeln. Für alle anderen ist es hier nett – niedrige Preise, viele Parks, viel Kultur, gute Anbindung überall hin und eine kulinarische Vielfalt jenseits von Döner. Am Hermannplatz gibt es das beste Thai-Food der Stadt, frisch wie direkt aus Bangkok.
Und auch der Berliner Tempelhof-Flughafen bleibt garantiert. Keine Stadt der Welt kann sich leisten, einen Innenstadt-Flughafen einzumotten. Auch wenn Wowi dem Großflughafen sein Wort gegeben hat, in Tempelhof werden bald die Privatjets von Abramowitsch, Gates und Beckham landen, damit sich deren Besitzer um eine Parterre-Wohnung an der Karl-Marx-Strasse prügeln können. Ja, so cool wird es hier sein.
Wedding als neuer Szenebezirk? Glaube ich nicht dran. Eher als Kurort. Eine Freundin von mir teilte mal die Berliner Bezirke nach hell-dunkel und cool-uncool ein. Friedrichshain und Prenzlauer Berg waren hell-cool, Lichtenberg und Treptow waren hell-uncool, Wedding war dunkel-uncool und Kreuzberg bzw. Neukölln waren dunkel-cool. Neukölln, so cool und dunkel wie ein Diamant auf schwarzem Samt.
Update: Die Freundin hat sich beschwert, sie wurde falsch zitiert. Nicht cool-uncool, sondern bunt-grau.
Mai 29th, 2007 at 01:47
Ich wohne jetzt schon fast 1,5 Jahre in Neukoelln direkt im Zentrum an der Karl-Marx-Str. und ich denke nicht, dass Neukoelln einmal so glitzern wird wie Friedrichshain oder Prenzlauer Berg, dafuer fehlt einfach die noetige Kaufkraft. Die kleinen Laeden von denen du sprichst, werden immer weniger. Hinter dem U-Bahnhof Rathaus Neukoelln ist die Karl-Marx-Str. praktisch tot und wird nur noch durch dieverse Handy-Shops getragen. Wenn man weitergeht und sich die Gegend noerdlich der Herrmanstr. auf Hoehe der Bodinstr. anschaut, dann kann einem schonmal anders werden. Von Integration keine Spur: Und damit meine ich primaer deutsche Hartz IV Empfaenger, die von morgens um halb zehn bis abends um zehn Bier trinkend in den Gruenanlagen sitzen.
Ich mag mein Neukoelln, aber aus anderen Gruenden. Neukoelln ist ein wahnsinnig vielfaeltiger Bezirk, der von Arm bis reich alles bedienen kann. Alle Subkulturen, die man sich vorstellen kann, sind hier vertreten. Und gerade diese Vielfalt ist eher ein Hinweis darauf, dass eher alles so bleiben wird, wie es ist, da keine kritische Masse entsteht um eine Entwicklung wie beispielsweise im Suedkiez im Friedrichshain zu fossieren. Auch fehlen die guten Kneipen: Erna’s Eck und Waldemars Stube gibts hier genug, neben allen anderen lehr stehenden Lokalen. Ich kenne nur eine gute Kneipe in meiner Gegend und das ist das Syndikat in der Weisestr 56.
Weiterhin hat Neukoelln im Gegensatz zu Kreuzberg zum Beispiel keine Tradition. Neukoelln war immer eher eine Wohngegend als ein Kultobjekt. Und zu den teuren Autos: Das ist mehr schein als sein. Fuer viele Jugendliche in der Gegend dient ein Auto zur Identifikation und das primaer nachts, mit voll aufgedrehter Anlage direkt unter meinem Fenster.
Ich kann nur zu Neukoelln raten, zu dem Teil in dem ich wohne. Aber Neukoelln ist gross und wie gerne man in Gropiusstadt oder im maerkischen Viertel wohnen will sei einmal dahingestellt.