Zehn Möglichkeiten, wie man ohne großen personellen Aufwand und ohne viele Kosten das Studienangebot von P&E verbessern kann

Schon vor einiger Zeit habe ich über mein Studium Philosophy & Economics geschrieben, damals auch aus dem Frust heraus, dass viele Ideen, die wir als Studenten vorgebracht haben, immer wieder aufgeschoben worden sind und wir auf eine unbestimmte Zeit vertröstet worden sind.

Weil auch bei Wikipedia der Eintrag von P&E diese Kritik aufgenommen hat, habe ich mir gedacht, dass ich nochmal meine Verbesserungsideen aufschreibe und in der StudiVZ-Gruppe zu P&E poste.

Mittlerweile ist dort eine rege Diskussion darüber entbrannt, was man verbessern könnte und darüber freue ich, weil das sicherlich dazu beitragen wird, das Studienangebot zu verbessern. Mir geht es nicht darum, die Leistungen der Profs oder der Studis in Mißkredit zu bringen, ich glaube, da wird sehr viel Gutes in Bayreuth gemacht. Aber Kritik muß im Studiengang angesprochen werden, sonst kann sich ein Studiengang nicht weiterentwickeln.

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Ich werde gelegentlich gefragt, was ich von meinem Studium P&E halte. Das ist keine einfache Frage, weil natürlich jedes Studium seine Vor- und Nachteile hat. Ich finde aber, dass die Aussage auf der Startseite von P&E nicht stimmt: “Das Bayreuther Curriculum ist das weltweit bestorganisierte. Die Inhalte sind sehr gut durchdacht.”

Das Bayreuther Curriculum ist nicht am besten organisiert weltweit” – denn natürlich ist das Curriculum in Oxford und anderen großen Unis im Bereich Philosophy & Economics sehr viel umfangreicher. Die Inhalte sind auch nicht gut durchdacht, es gibt kein Ausbildungsziel, auf das hin gearbeitet wird.

Man schreibt zwar: “Wir wollen Expertinnen und Experten für komplexe Entscheidungssituationen ausbilden.” Aber das ist nicht wahr, denn komplexe Entscheidungssituationen benötigen in erster Linie drei Dinge: sehr umfangreiches Fachwissen, sehr hohe persönliche Kompetenz, und ein umfangreiches Netzwerk, um komplexe Entscheidungen durchsetzen zu können.

All das vermittelt P&E nicht unbedingt. Das macht aber nichts, denn die meisten Studierenden bringen das schon mit. Die meisten P&Eler sind wirklich richtig gut. Sie bringen schon von der Schule viel mit, engagieren sich ehrenamtlich, haben vielseitige Interessen, können die Welt aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln sehen. Ich glaube, diese Mischung ist wirklich sehr viel wert und ein guter Grund in Bayreuth zu studieren.

Es gibt gute Gründe, die für Bayreuth sprechen. Das gute Betreuungsverhältnis und der hohe persönliche Einsatz der Profs zum Beispiel. Durch die Studiengebühren ist viel Geld vorhanden, die jetzt nach und nach dazu genutzt werden, mehr Personal anzustellen und so die Lehre zu verbessern – man muß allerdings sehr genau aufpassen, dass das Geld wirklich dafür genutzt wird, denn die finanzielle Transparenz in Bezug auf die Verwendung der Uni-Mittel und der Drittmittel muss noch verbessert werden.

Aber es gibt auch Gründe, die dagegen sprechen, in Bayreuth zu sprechen. Der Studiengang ist nicht aus einem Guß geschaffen worden, er ist ein Kompromiß, der daraus entstanden ist, dass sowohl VWL als auch Philosophie in Bayreuth abgeschafft werden sollten und man mit P&E aus der Patsche kommen wollte. Dadurch war es auch lange der Fall, dass die wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung zur philosophischen Ausbildung nicht richtig passte – mit der Einführung des Bachelors in Ökonomie hat sich das sehr verbessert.

Das Dilemma ist, dass man im Grunde genommen ab dem ersten Semester versuchen muss, sich seine eigenen Studienschwerpunkte zu setzen. Als Erstsemester ist das nicht leicht, die Orientierung zu finden. P&E scheint eine bestimmte Form von sehr guten Generalisten anzuziehen – aber gerade der deutsche Arbeitsmarkt scheint eher Spezialisten als Generalisten zu bevorzugen. Sowohl das englische, als auch das amerikanische, als auch das deutsche Magister-/Diplom-System ist wesentlich besser geeignet, nach der Schule Zeit zum Orientieren zu geben und Spezialisierung zu erlauben.

Das Problem ist eigentlich die deutsche Schulbildung – die deutschen Schulen geben zu wenig Unterstützung, sie rattern den Lehrplan runter aber vermitteln zu wenig Praxisbezug und Allgemeinbildung, zu wenig Berufsberatung und zu wenig konkrete Lebenshilfe. Sie lassen zu wenig Freiheit, sich eigene Schwerpunkte zu setzen und stülpen den Schülern 10, 11, 12 oder 13 Jahre ein Wissenskorsett über, das mit der Uni und der Berufswelt nicht viel zu tun hat. Umfassende Bildungsreformen verhindert aber der deutsche Bildungsföderalismus.

Aber in der Schule ist es wie bei P&E – auch wenn noch viel verbessert werden kann, das Niveau an sich ist schon ganz gut. Ich hab ähnlich wie schon in der Schule die Erfahrung gemacht, dass das Lehrniveau in Bayreuth sowohl mit anderen Unis in Deutschland als auch im Ausland mithalten kann. Das ist eine gute Nachricht für die Studenten, denn sie bedeutet, dass man sich mit den richtigen Schwerpunkten auch sehr gut fortbilden kann. Allerdings nur, wenn man sich in Bayreuth umschaut, wenn man auch Veranstaltungen bei den Soziologen, den BWLern, den Juristen oder den Informatikern belegt – je nachdem, was einem gefällt. Generalist sollte man nicht allzu lange bleiben.

Schön wäre es, wenn P&E dabei helfen könnte, sich zu orientieren. Wenn ganz klar drei Ausbildungsstränge definiert werden würden: Wirtschaftsethik; Simulation und Modellbildung; Mediation und Konfliktlösung. Dazu bedarf es aber einer grundsätzlichen Diskussionsbereitschaft im Studiengang – und die erkenne ich nur in Ansätzen bei den Verantwortlichen. Aber die Ansätze sind da und vielleicht hilft dieser Beitrag, diese Ansätze zu verstärken. Oft ist es ja so, dass die Verantwortlichen grundsätzlich mit der Kritik übereinstimmen, aber immer wieder auf die Personaldecke, die fehlende Zeit und die fehlenden Mittel verweisen.

Um das ganze aber nochmal konkret zu machen, möchte ich hier zehn Vorschläge machen, wie man das Angebot in Bayreuth verbessern könnte, ohne große finanzielle Kosten und hohen personellen Aufwand zu verursachen.

  1. Schreiben und Präsentieren als Einsteigerkurs. Schon jetzt gibt es ein P&E-Kennenlernwochenende – ich würde aber Schreiben und Präsentieren komplett aus dem zweiten Semester abschaffen und lieber vor dem ersten Semester ein verpflichtendes einwöchiges Blockseminar machen, bei dem in die wichtigsten Regeln des wissenschaftlichen Schreibens und der wissenschaftlichen Präsentation eingeführt wird, verbunden mit ein paar Rhetorik-Übungen.
  2. Bewertete Essays. Richtig Schreiben lernt man nur mit richtigen Themen, die was zählen und nicht mit Spassthemen wie bei Schreiben und Präsentieren. Besser wäre es, bei den Einführungsveranstaltungen in Ethik, Philosophie, Sozialphilosophie und Wissenschaftstheories Essays schreiben zu lassen, die Themen aus diesen Veranstaltungen betreffen. Kurze Essays, maximal 2000 Wörter, vier Stück pro Student und Vorlesung. Master-Studenten und Doktoranden geben dann wissenschaftliches Feedback zu den Essays, die zwei besten Essays fließen in die Note zur Vorlesung ein. Ermutigt werden sollte die Arbeit mit Originaltexten und kurzes, präzises Schreiben.
  3. Double-Blind-Examinations. An der LSE werden Abschlussprüfungen blind geschrieben und von zwei Korrektoren gelesen. Die Fragen zu den Abschlussprüfungen sind schon behandelte Fragen aus den Essays (so dienen die Essays schon als Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen.
  4. Reading-List.Zu jedem Seminar und zu jedem Seminarthema gibt es eine längere Reading-List plus zwei Leitfragen, die auch in der Abschlussprüfung vorkommen können. Wer die Reading-List nicht durchliest, ist selber schuld, weil er dann die Leitfragen nicht beantworten kann. So wird auch die Diskussion unter den Studenten angeregt, denn wenn alle gut vorbereitet sind, bleibt die Diskussion auch nicht so an der Oberfläche.
  5. Maximal zehnminütige Präsentationen, danach bricht der Professor das Referat ab. Die Präsentationen sollen die zwei Leitfragen beantworten, sie können davon ausgehen, dass die Zuhörer die Reading-List abgearbeitet haben. Danach intensive Diskussion. Nichts ist langweiliger als Endlosreferate und lethargische Zuhörer.
  6. Jedes Seminar mit einer Publikation abschliessen und die Bachelor- und Masterarbeiten veröffentlichen. Viele Bayreuther Seminare würden sich ideal dazu eignen, dazu eine Publikation herausgeben. Man könnte dazu einfach sehr klare formale Vorgaben für die Hausarbeiten erstellen, dann die besten Hausarbeiten vom Prof überarbeiten lassen, eventuell per Peer-Review-Verfahren auch noch die Kommentare der Mitstudenten einholen und dann einen Sammelband veröffentlichen, der das Seminarthema bearbeitet. An anderen Unis werden die Diplom- und Magisterarbeiten in einer eigenen Schriftenreihe veröffentlicht, warum wird das in Bayreuth nicht gemacht?
  7. Bewertung der Lehre.Nach jedem Seminar wird die Lehre, die Reading-List und die Unterstützung des Dozenten bewertet und öffentlich gemacht.
  8. Das TVM-Modul aufwerten. TVM steht ja für Teilen, Verhandeln, Mediation – eine Art Mediationszertifikat, das man parallel zum Bachelor-Abschluss erwirbt. Auf dem Bachelor-Zeugnis ist allerdings das ganze nur als kleiner Satz am unteren Ende des Zeugnis vermerkt – warum es nicht auch offiziell auf der Urkunde vermerken? In großer Schrift und deutlich: Bayreuther P&Eler haben einen Einstieg in die Mediation gemacht?
  9. Wirtschaftsethik-Theorie-Modul verpflichtend machen und Praxisangebot ausbauen. Ich glaube, jeder P&Eler sollte in die grundsätzlichen Theorien zur Wirtschaftsethik eingeführt werden, am besten in einem einwöchigen Blockseminar vor dem zweiten Semester. Dort könnten die wichtigsten Schulen vorgestellt werden und die Begriffe geklärt werden, so dass P&Eler nicht ständig Code of Conduct und Code of Ethics verwechseln. Die Seminare sollten dann immer nur an der Praxis orientiert werden, immer in Kooperation mit Wirtschaftsverbänden und NGOs und mit viel Hintergrundwissen über einzelne Branchen: welche wirtschaftsethischen Fragen gibt es in der Chemie-Branche, welche wirtschaftsethischen Fragen gibt es in der Beraterbranche? Wie sind die ISO-Standards zu CSR, Corporate Governance, was muss in einen Umweltbericht rein und ähnliches.
  10. Einen HiWi für Unikontakte bereitstellen. Zur Zeit kommen unglaublich viele Werbebroschüren von anderen Unis an, gelegentlich werden die aufgehängt. Sinnvoll wäre es, einen Studenten als HiWi damit zu beauftragen, gezielt Kontakte zu anderen Unis aufzubauen, die Anforderungen von P&E zu erklären und die Anforderungen der anderen Unis herauszufinden. Jemand der dann auch mit diesem Wissen P&Eler bei der Suche nach Doktoranden und Master-Programmen unterstützen kann.

Textende

Es kann sein, dass einige dieser Vorschläge schon teilweise umgesetzt werden oder auf dem Weg der Verbesserung sind. Das liegt daran, dass ich mit diesen Vorschlägen schon ziemlich lange den Professoren in den Ohren liege – und langsam ändert sich auch was.

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