ABC des PR

Klaus Kocks – der Name ist Programm. Nein, das war jetzt gemein. Obwohl sich viele über ihn aufregen, fangen wir mal mit den netten Sachen an. Klaus Kocks hat einen Schnauzbart, der ihm gut steht. Er kennt viele Witze. Er ist angemessen gekleidet. Er ist Geisteswissenschaftler sehr geistreich. Und er hat sich nach Bayreuth getraut, um vor meinem Kommilitonen einen Gastvortrag über die Kunst der öffentlichen Lüge zu halten.

Dort gab es ein Seminar zu moralischer Kommunikation, Klaus Kocks war das “Gegen-Programm”. Demnächst steht ein Seminar in Good Governance auf dem Plan, da wird dann Machiavelli eingeladen. Obwohl der wahrscheinlich ähnlich mißverstanden wird wie Herr Kocks.

Der Vortrag war spannend. Klaus Kocks hat mir die Augen geöffnet. Er hat das ABC des PR neu erfunden. Jetzt heißt es nicht mehr, Public Relations, sondern Public Rubbish. So macht man es:

  • APR – Alles ist PaRadox. Wichtig ist dass, alles Paradox ist, alle Widersprüche sind paradox. Wenn die Realität nicht mit dem übereinstimmt, was ich erzähle, ist das nicht unsinnig, sondern paradox. Es hilft übrigens, das Wort Paradox gleich zum Beginn des Vortrags an die Tafel zu schreiben, dann weiß jeder, worum es geht.
  • BPR – Blogger Passt Ruhig auf.. 13.000 Blogger sind hinter mir her. 13.000 Blogger schreiben über mich. Gut, Google kennt nur 835, selbst die Goggle-Blogger-Suche nur 65. Aber: wer glaubt schon Google? Ich nicht.
  • CPR – Charme PaRty. Wenn jemand aus dem Publikum etwas fragt, das niemand verstanden hat, dann ist es immer gut, wenn ich sage, das war ein wichtiger Beitrag oder eine interessante Frage. Auch wenn ich das selbst nicht verstanden habe. Aber so wird der Geek froh und alle anderen denken sich, huch, der ist ja schlau.
  • DPR – DummPhRasendrescherei. Wichtig ist, sich immer durch Sätze von der Masse abzuheben, die so einfach sind, dass sie jeder versteht. Es hilft, wenn sie vollkommen falsch sind. Es hilft auch, wenn sie total schwachsinnig sind. Geiz ist geil. Wir sind Papst. Die Rente ist sicher. PR ist Lüge. Dicke leben länger. Die Erde ist ne Scheibe. Der Mond ist aufgegangen. Die Nudeln sind fertig.
  • EPR – Echtheits-PaRanoia. Authentizität gibt es nicht. Wir nehmen alles nur so wahr, wie es uns vorgespiegelt wird. Wir erkennen nur unsere eigenen Wünsche in anderen Personen wieder. Authenitizität ist gutgemachte Übereinstimmung des erzeugten Bilds mit unseren Wünschen. Mein Wunsch ist es zum Beispiel, dass alle meinen Quatsch glauben. Schwupps – schon ist es geschehen.
  • FPR – Fake Press Release. Damit die Presse-Menschen merken, was PRler können, müssen beide zusammen ausgebildet werden. Pressekodex schmullala, lieber sollen die Journalisten gleich merken, wie PR-Sprech funktioniert.
  • GPR – Ganz PRagmatisch. Die Welt ist so wie sie ist, da will ich nix dran ändern. Und dafür laß ich mich bezahlen.
  • HPR – Historisches PaRadewissen. Hey, Leute, ich habe studiert, ich habe promoviert, habilitiert, konsumiert und paraphrasiert. Ich bin Professor. Ich kann recherchieren. Auch wenn ich in meinem Vortrag immer nur auf dem Beispiel von Holbein und seinem verschönerten Bild von Anna von Kleve rumreite – ich kenne mich aus in der Geschichte. Meine Agentur heißt ja auch Cato.
  • IPR – Internet Proof Reading. Im Internet ist alles gefälscht. Alles. Jedes Blog und natürlich auch die Wikipedia. Ja, die erst recht. Gut, ich habe noch nie probiert, bei Wikipedia einen Artikel konterfaktisch abzuändern. Hab noch nie erlebt, wie schnell dann auf einmal das gefälschte Internet den Schwachfug wieder herauslöscht. Oder wie Wikipedia sehr komplizierte Mechanismen erfunden hat, damit die Artikel möglichst gut sind. Ich hab auch noch nie erlebt, wie Guerilla-Marketing und PR-Blogging entlarvt wurde. Durch die Blogs. Aber im Internet ist alles gefälscht.
  • KPR – Knut PRoudly presents.Ich habe Knut erfunden. Nein, nicht der Berliner Zoo. Nein, nicht Sigmar Gabriel. Ich habe Knut gezeugt und ihn bei seinem Tierpfleger geparkt. Ich bin eine Eisbärmutter.
  • LPR – Lebenslauf Pimp my Ride. Es kommt nicht darauf an, was Du bist, sondern was Du in Deinen Lebenslauf stellst. Ich bastelte Dir Deinen Lebenslauf zurecht. Schick ihn mir.
  • MPR – Mehrfach PRorogieren. Ein Zuschauer stellt eine Frage, die ich nicht beantworten will oder kann. Den Trick mit der Rückfrage kennt jeder, darauf fallen die nicht rein. Den Trick mit der Ablenkung vom eigentlichen Thema ist zu offensichtlich. Ganz wichtig, nicht die Kontrolle verlieren. Erste Phase: ein bißchen Blabla, um die Nerven zu beruhigen. Zweite Phase: Zugeben, dass ich mit meiner eigenen Antwort nicht zufrieden bin. Dritte Phase: Darauf komm ich gleich zurück. Und dann still und heimlich die Frage unter den Tisch fallen lassen. Kann man auch mehrmals machen. Mehrmals hintereinander.
  • NPR – No Personal Relations.. Das Privatleben gebe ich nicht preis. Auf private Fragen antworte ich ausweichend. Oder mit Gegenfragen. Oder mit Witzen. Am Schluss mache ich alle darauf aufmerksam, wie gut ich das gemacht habe.
  • PPR – Pseudo Public Relations. Anstelle meinen Zuhörern was darüber zu erzählen, wie man wirklich ne gute PR-Kampagne macht und worauf man da achten muss, erzähle ich lieber, dass wenn im Wald ein Baum umfällt und kein Fernsehen da ist, um das zu filmen, dass dann die Quote so schlecht ist, dass der Baum sich aus verletzten Stolz wieder aufrichtet.
  • QPR – Quarantäne PRofi. Über meine ehemaligen Arbeitgeber verliere ich kein Wort. Na gut, ab und zu mal eine Anektdote. Aber ernsthaft: kein Wort. Das sage ich vorher an. Dann erzähl ich doch was. Und dann am Schluss sage ich nochmal, dass ich über meine Auftraggeber nichts sage. Außer, dass ich sie kenne. Und sie mich.
  • RPR – Reflexive PaRabel. Ganz einfache Theoriebausteine nehmen. Immer in Bildern sprechen. Das Groteske langsam steigern. Davon erzählen, dass nur wer Wellen macht, auch schwimmen kann. Sinuskurven der PR. Die gehen auch mal nach unten. Aber wer keine Reaktion erzeugt, existiert nicht. Wer steil nach oben will, muss konkav sein und die Vielseitigkeit der Realität in den Betrachter zurückspiegeln. Am besten dorthin, wo der Geldbeutel sitzt. Oder der Wahlzettel. Den Verstand möglichst weit weg vom eigenen Brennpunkt halten.
  • SPR – Self-PRomotion Sich selbst und seine Erfolge immer wieder nennen. In Deutschland gibt es ja nur sechs gute PRler – davon bin ich der beste. Ihr Hundertausend PR-Fuzzis in Euren Ein-Mann-Zimmern mit Matratze in Berlin – geht doch nach Hause und weint!
  • TPR – Theorien-PRoletariat. Wenn jemand von den Studenten behauptet, meine Theorien wären eher Luhmann für Hausfrauen, dann sage ich, mit Luhmann kann man mich nicht beleidigen. Genial, oder? Das klingt so, als ob ich wüsste, wer Luhmann ist.
  • UPR – Unterhaltungs Populär Roadie. Wenn die Zuschauer einschlafen, dann ist das Kind in den Brunnen gefallen. Lieber mal schnell einen Witz. Die meisten Studenten kommen sowieso nur in die Vorlesung, um nicht zu Hause in der WG abspülen zu müssen.
  • VPR – Vorlese PoweR.Gut, ich kann auch frei reden. Und das mal nicht schlecht. Aber warum, ich hab ja ein Buch geschrieben. Dann kann ich daraus ja auch mal ein wenig stockend vorlesen. Eins, zwei, oder zwölf Seiten. Langweilig findet das bestimmt keiner.
  • WPR – Wortwitz PaRadies. Mein neuester Roman – ist von vorne bis hinten gefälscht. Gut, das was drin steht, ist von mir. Glaube ich. Die Übersetzerin hat einen tollen Namen, da habe ich lange überlegt, da ist niemand drauf gekommen. Vera I. Kohn. Verstehen Sie? Vera Ikone. Die wahre Ikone. Ich. Mein Pressesprecher bei Vox Populi. Der ist mit Vera verheiratet. Der heißt, jetzt halten Sie sich fest, dass Sie vor Lachen nicht aus dem Stuhl fallen, Sal Edmonds. Verstehen Sie? Saled Monds. Verkaufte Welt. Ne, verkaufter Mond. Ach ist ja auch Wurst, hauptsache lustig.
  • XPR – eXtreme Potenz Recherche. Sex kommt immer gut. Sei es Heinrich der VIII und seine Anna von Kleve. Sei es die außerehelichen Abenteuer von bekannten Berliner Politikern. Sex sells – auch wenn es nur halbseidene Gerüchte sind, die ich bei der letzten Cappuccino-Orgie im Einstein aufgeschnappt habe. Die Zuhörer lesen nur die Massenmedien. Ich lese meine eigene Phantasie. Da passiert was, uiuiui.
  • YPR – Yet another PeRfect question..Angenommen, ein Zuschauer stellt eine Frage. Und ich hab sie nicht verstanden. Aber alle anderen Zuschauer haben sie verstanden – oder nicken zumindest, als ob sie die Frage verstanden hätten. Was tun? Ganz einfacher Trick: Die Frage ist gut, aber sie müsste eigentlich so lauten… Oder: Die Frage ist gut, aber eigentlich muss man doch vorher fragen… Wer sich vor einem Vortrag die besten Fragen an sich selbst zurecht legt, hat schon gewonnen, ehe er ein einziges Wort gesprochen hat.
  • ZPR – Zynismus PanzeR. Zynismus kommt immer gut an beim Publikum. Bei einigen Menschen erregt der Zyniker Bewunderung, bei anderen Menschen Abscheu. Egal – hauptsache eine Reaktion. Und Hauptsache, ich muß nie Farbe bekennen.

Also keine Angst, liebe Blogger, so schlimm ist er nicht, der Professor. Eigentlich ein ganz lieber, aber eben ein Klassenclown wie er im Buch steht. Traut Euch, geht in seine Vorlesungen, lasst Euren Verstand vor der Tür und nehmt Euren Humor mit rein. Er hat auch Humor, jedenfalls kann man das daran sehen, wie er auf Blog-Einträge reagiert (zum Beispiel bei den PR-Ethikern oder bei Blogpaganda). Hoffen wir, dass er genug Humor hat – um mich nicht zu verklagen.

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3 Responses to “ABC des PR”

  1. tortsh Says:

    Yup, bin ganz deiner Meinung. Der Vortrag war unterhaltsam (hängt natürlich davon ab was man erwartet), aber ziemlich oberflächlich. Die Diskussion nach dem Vortrag hat letztlich nur Hr. Kocks substanzloses Wesen offenbart.
    Das sein Vortrag als Gegen-Programm zu den Inhalten des Seminar “Moralische Kommunikation” zu verstehen ist, würde ich aber bestreiten. Er hat doch kein Wort über die moralisch-ethischen Komponenten des PR verloren, allenfalls indirekt. Das du das als Gegen-Programm bezeichnest, muss du schon ironisch gemeint haben, oder?

  2. kasi Says:

    Du hast Recht, ich werde es mal in Anführungszeichen setzen.

  3. Kasi-Blog » Blog Archive » Lieber Klaus Kocks, Says:

    [...] meinen letzten Artikel zu Ihrem PR-Vortrag an der Uni Bayreuth habe ich viel nettes Feedback bekommen, allerdings sagte [...]

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