Guerilla-Posting von StudiVZ – ein tolles Vorbild für die Schüler bei SchülerVZ
Als es im warmen Winter 2007 Überlegungen zu Schülercommunities gab, saßen Christoph Fahle aus der Politikfabrik, der spätere StudiVZ-Mitläufer Christian Beilborn und ich in der Küche bei Christoph. Christoph hatte die Idee, mit einem alten VW-Bus durch Deutschland zu fahren, sich vor jeder Schule zu postieren, laute Musik zu spielen und die Leute auf die Schülercommunities aufmerksam zu machen.
Solche Werbeaktionen sind natürlich nichts Neues – aber eigentlich ist das Thema Werbung und Schule ein ziemlich Heikles. Auch wenn sich Abijahrgänge schon die lokale Brauerei als Sponsor suchen, Microsoft die Schulen ans Netz bringen will oder in Schulgebäuden Cola-Automaten aufgestellt werden – normalerweise geht das immer noch die ordentlichen Wege durch die Schulinstanzen.
Nicht aber bei StudiVZ. Dort hat es jetzt eine Guerilla-Marketing Aktion der besonderen Art gegeben. Deprimiert durch ihren eher dahindümpelnde Community machten sich die SchülerVZ-Leute auf nach Köln, um dort mehrere tausende Post-Its an eine Kölner Schule (“Tatort Kreuzgasse”)zu kleben – medientechnisch begleitet von den hauseigenen Kamerastrolchen.
Der Hausmeister fand das aber gar nicht lustig und verfolgte die junge Guerilla-Bande zu ihrem gemieteten BMW. Recht hatte er, denn zu Werbung im Schulumfeld sagt das nordrhein-westfälische Schulgesetz ganz klar:
Schulen dürfen zur Erfüllung ihrer Aufgaben für den Schulträger Zuwendungen von Dritten entgegennehmen und auf deren Leistungen in geeigneter Weise hinweisen (Sponsoring), wenn diese Hinweise mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule vereinbar sind und die Werbewirkung deutlich hinter den schulischen Nutzen zurücktritt. Die Entscheidung trifft die Schulleiterin oder der Schulleiter mit Zustimmung der Schulkonferenz und des Schulträgers.
Die Entscheidung trifft eben nicht ein pekuniärer Marketing-Azubi wie Oliver Skopec – ehemals Landesschülerbeirat in BaWü. Und ob es mit dem Bildungsauftrag der Schule zu vereinbaren ist, Schüler unter fadenscheinigen pseudo-politischen Argumente in eine Datenkrake wie StudiVZ zu lotsen, kann wohl bezweifelt werden. Angeblich sollen die Post-Its von den Schülern eingesammelt werden und an das Ersatz-Bildungsministerium StudiVZ geschickt werden, die sie dann wiederum weiterleiten: entweder direkt zu Holtzbrinck oder vielleicht auch zu den Klos, in denen Ehssan so gerne Interviews gibt.
Leider ist das ganze nicht strafbar – denn die Polizei hat den StudiVZlern lediglich ein kleines Ordnungsgeld abgenommen. Coole Vorbilder sind das – Marketing-Zombies und schwarze Datenlöcher in schwarzen Autos durchkämmen die Kölner Innenstadt und machen realen Post-It-Spam.
Was mich jetzt aber mal zu einer anderen Frage bringt: wer hat sich die Sache eigentlich ausgedacht und umgesetzt? Christoph Fahle sagte mir noch vor zwei Monaten, das er an keiner Kampagne arbeitet und nicht bei StudiVZ in Brot und Lohn ist. Christian Beilborn ist, wie man so hört, längst wieder raus aus dem Laden, nachdem er 8000-9000 Euro mitgenommen hat – wie war das nochmal mit der Erfolgsprovision von 20 Cent pro Profil, hmm? Oliver Skopec, der sagenhafte Marketing-Leiter ist aber noch sehr aktiv – Glückwunsch!
In den letzten drei Wochen kursierten diverse Konzepte von StudiVZ zu Guerilla-Marketing, die sich zum Teil widersprachen und mehr als plümperhaft zusammengeschribselt waren – keine Zielgruppen-Analyse, kein Kostenplan und nix, einfach ein paar billige Werbesprüche und Pseudo-Kampagnen ausgetüftelt, die mit Sex, Kommerz und Klamauk die Schüler ködern wollten. Ich überlasse es mal den Bloggern, welche die Dokumente im Original erhalten haben, diese zu veröffentlichen, wenn sie es wollen.
Fest steht, dass StudiVZ nach einem Griff ins Klo und in die braune Brühe die nächste Stufe des debilen Kampfs gegen Anstand und Datensicherheit erreicht hat – die Stadtguerrilla der SAF (“StudiVZ Albernheiten Fraktion”). Das Video der Spass-TerroristenTouristen gibt es bei RTL Regional – auch ein schöner Fall von Kommerzjournalismus.
Siehe auch Mike, Blogschrott, IT-Guerilla, Alltagskakophonie, VisualOrgasmus, Jörg-Olaf, Robert Basic, Wonko, ConnectedMarketing, Offtherecord, Werbeblogger, Webszene, Timo Heuer, und Xiel.
April 24th, 2007 at 22:16
[...] ähnliches, oder Lesezirkel und Diskussions- und Lerngruppen eingerichtet haben. Karsten jedenfalls wundert sich, woher die Ideen und der Elan stammen, die mit der Marketing-Aktion zu verbinden sind. Vielleicht [...]
April 25th, 2007 at 02:29
“Deprimiert durch ihren eher dahindümpelnde Community”
Inwieweit sind 300.000 innerhalb von ein paar Monaten als “dahindümpelnd” zu werten? Gibt es eine Schülercommunity die mehr Mitglieder hat? Wenn ja, welche? Und was ist mit der Community geworden die du aufziehen wolltest? Wenn SchuelerVZ dahindümpelt dann wäre das doch jetzt deine Chance?
April 25th, 2007 at 20:33
Hier kann man die Zahlen sehen – im Pressespiegel was von 2 Mille User bei StudiVZ erzählen und dann selber nur 1,8 aufweisen – noch vor den neuen AGBs, gell? Wie soll ich da 300.000 Schüler glauben, mein Lieber?
April 25th, 2007 at 20:55
Ähem?
Es geht hier gerade nicht um StudiVZ sondern um SchuelerVZ.
Das PDF das du postest ist auch schon über einen Monat alt insofern ist es klar das die Nutzerzahlen von StudiVZ nicht up to date sind. Aber dort sind nicht die Schüler mit drin.
In der Pressemitteilung vom 17.April verkündet Schueler VZ das man 300 000 Mitglieder hat.
Ich meine klar, du hast das Recht wütend auf den Erfolg von SchuelerVZ zu sein und deren Fehler hier anzuprangern nur solltest du dann den Erfolg auch einräumen. Das StudiVZ nicht erfolgreich ist traut sich ja nicht mal mehr Herr Alphonso zu sagen.
Und wenn SchuelerVZ nicht erfolgreicht ist, wieso startest du dann nicht dein Projekt?
April 25th, 2007 at 20:58
Wenn das stimmt, was SchuelerVZ in der Pressemitteilung sagt, dann Hut ab! Ich geh jetzt mich mit rosa Kreidespray einsprühen und feiere die Bildungsrevolution
April 26th, 2007 at 22:33
Die Fotos, welche Du hier reingestellt hast sind ja echt noch GARNIX!
vor der Schule “An der Marie” (5. Grundschule) hier in der Christburger Straße (Prenzlberg) neben unserem Büro war regelrecht ZUGETRASHT von dem Zeugs! SPAMMING LIVE! Das war schon ein imposanter Anblick…
Ich hatte es Don gestern gemailt: die Area (51
Ein riesen Sicherungskasten, nun komplett rosa, da komplett zugeklebt und 2 Verkehrsschildpfähle mit insgesamt bestimmt 400 (500?) Post-Its. Wir haben uns für Chapz ja auch sowas überlegt (weil Sticker schwer abgehen) an Eventlocations, Kunsthochschulen etc. pp zu kleben aber das ist ja echt der Hammer.
Nach der BSR Großreinigungsaktion sind hier noch immer überall rosa Zettelchen…
PS: Was ist eigentlich mit dem “Rosa Riesen”? Die sind bei Rosa doch immer extrem angepisst…