Erlebnisse mit der Musikindustrie
Im Kino lief neulich wieder ein Raubkopie-Werbespot. Man weiß ja, was dann Böses passieren kann! Macht Euch nur lustig – die Musikindustrie kriegt auch Euch!
Jedenfalls bin ich direkt ins Geschäft gelatscht, um mir pflichtbewußt die neue Platte der Jungs runterzuladen. Im MuddClub vor ein paar Tagen hatten sie trotz heiserer Stimme von Herrn Gottwald ganz gut Stimmung gemacht. Aber sowohl im großen Planeten-Markt als auch bei Kardorf gab es weder Single noch Album.
Ich darf an dieser Stelle mal auf die längeren Ausführungen von einem sehr schreibfleißigen Gerhard bei einem früheren Artikel von mir verweisen. Auch wenn ich seine Ausführungen zu Techno und Rap nicht teile, so sind zumindest diese Passagen über die Nachwuchsförderung sehr interessant:
Was früher Don McLean als Gag meinte, “The day, the music died”, hat die Musikindustrie tatsächlich gemacht. 1992 verkündete sie arrogant, sie würde jetzt “vorerst mal” die Nachwuchsförderung einstellen, man habe genügend erfolgreiche Gruppen unter Vertrag und sehe gar nicht ein, daß man für Nachwuchsförderung Geld ausgeben solle.
Oder diese Passage über die Bestechung von Rundfunk-Sendern:
Ich habe Mitte der 80er Jahre zufällig live miterlebt, wie ein Rundfunkredakteur, der offenbar von zu vielen und zu aufdringlichen Bestechungsversuchen seitens der Musikindustrie total angefressen war, plötzlich ganz spontan während einer Moderation aus der Schule zu plaudern begann. Er meinte, es sei zwar schwierig so einen Posten zu bekommen, weil es nur wenige davon gäbe, aber wer einen ergattert habe, der habe ausgesorgt. Sein ganzes Studio sei vollgepflastert mit Geschenken der Musikindustrie, ebenso sein Zuhause. Er wisse gar nicht mehr, wohin mit dem ganzen Zeug.
Oder diese Passage über die Auswahlverfahren der Musikindustrie:
Weil einige Gruppen ihre Demobänder, die sie an die Plattenfirmen geschickt hatten, mit Absagebegründungen retourniert bekamen, die nicht stimmen konnten, wie `Ihre Musikrichtung paßt nicht in unser derzeitiges Programmangebot´, während die Musik genau auf der Linie der Plattenfirma lag, enstand der Verdacht, daß die Demobänder nichteinmal angehört worden waren. Daher fühlten diese Bands den Plattenfirmen auf den Zahn und schickten Leercassetten ein. Diese wurden wiederum mit oben genannter Begründung zurückgeschickt, womit der Fall klar war.
Oder über die Raubkopien der Plattenfirmen:
Vor 12 Jahren sagte mir dazu ein Musiker, der auch öffentlich aufgetreten ist, er sei davon abgekommen, Demo-CDs an die Musikindustrie zu schicken. Von einem Bekannten in der Musikindustrie wisse er, daß diese Demo-CDs nur ausgeschlachtet werden. Die Musikindustrie würde die Demo-CDs kopieren, an ihre Vertrags-Gruppen schicken, die selber keine Ideen mehr hätten, und diese würden die guten Ideen klauen und in ihre eigenen Stücke einbauen.
Die schönsten Musik-Reviews gibt es ja bei Yetanotherindiedisco, aber auch Alex P. macht sich als Nachwuchsrezensent einen Namen – sein Blog war auch Geistesstupser, um diesen Artikel zu schreibe. Danke dafür!
April 8th, 2007 at 11:39
[...] gar nicht hingehören (und verdammt – ich weiß doch gar nicht wie das alles funktioniert und woher Karsten das weiß – und das, obwohl ich seit 2004 WordPress [...]