Gute und schlechte Bands
Gute Bands kommen in einen Berliner Keller, der rappelvoll ist mit Berliner Szene Typen, Partygirls, Junkies, Funkies, Cordjackenträgern und Hornbrillenträgern, haben die Flasche Jackie D noch halb voll, verteilen am Ende des Abends Demotapes auf denen nichts zu hören ist, animieren das Publikum zu Piratenrufen und kümmern sich um ihre Betreuerin von der Plattenfirma.
Schlechte Bands kommen in einen Berliner Schuppen, der rappelvoll ist mit Berliner Szene Typen, Partygirls, Junkies, Funkies, Cordjackenträgern und Hornbrillenträgern, trinken Wasser auf der Bühne, warten 1 Stunde bis der Techniker die Kinder-E-Pianos angeschlossen hat und entlausen sich derentweil die Haare, singen dann über ihre Zeit im Barbieland von Brooklyn und erklären der Welt, dass sie auf “Keyboards” stehen.
März 7th, 2007 at 03:38
geschmackssache.
April 4th, 2007 at 18:13
Auf den Hype der deutschen Musikindustrie (Aussage eines Insiders: “Die sind noch schlimmer als die von der Rauschgiftmafia!”) fällt doch niemand mehr rein. Musik gibt´s doch gar nicht mehr. Nach fast 30 Jahren Neger-Gerappe “yeah yeah” und fast 20 Jahren Techno “dumm dumm” (das ist schon die ganze Botschaft) ist von “Musik” doch nichts übriggeblieben. Was früher Don McLean als Gag meinte, “The day, the music died”, hat die Musikindustrie tatsächlich gemacht. 1992 verkündete sie arrogant, sie würde jetzt “vorerst mal” die Nachwuchsförderung einstellen, man habe genügend erfolgreiche Gruppen unter Vertrag und sehe gar nicht ein, daß man für Nachwuchsförderung Geld ausgeben solle. Nur mal zum Vergleich: In einer englischen Plattenfirma wechselte der Manager. Der kannte persönlich die damaligen Musiker, die dann als “Dire Straits”erfolgreich wurden. Damals arbeiteten die aber alle noch in gewöhnlichen bürgerlichen Berufen und konnten sich daher der Musik nicht ausreichend widmen. Erst nachdem dieser Manager die Knopflers usw. sponsorte und sie Vollzeitmusiker werden konnten, wurden sie dann schlagartig berühmt (“Sultans of swing”). Oder man stelle sich vor, der Kultusminister erklärte, “jetzt schaffen wir mal die Schulpflicht vorerst ab, wir haben ja inzwischen genügend Schüler ausgebildet”. Das Ergebnis kann man sich lebhaft vorstellen. So eine Förderung muß man doch kontinuierlich machen.
Nicht so die (deutsche) Musikindustrie! Die schiebt die Verantwortung für ihr eigenes Versagen den PC-Herstellern und PC-Nutzern zu: Weil man die Musik damit kopieren kann, seien die Umsätze der CD-Verkäufe rapide gesunken. Was für ein Humbug! Kopieren konnte man die Musik früher auch und zwar auf Tonband und Cassette – und das wurde damals vermutlich häufiger gemacht, als heute mit dem PC kopiert. Trotzdem behauptete damals nichteinmal die Musikindustrie, daß dieses Kopieren die Umsätze schmälere. Das Gegenteil war eher der Fall: wenn man ein aufgenommenes Stück einer Band mehrmals vom Band gehört hatte, ging man in den Plattenladen und kaufte sich die ganze LP. `Kopieren´ wäre also eher eine Werbung fürs Geschäft, bloß heutzutage überreißen die in der Musikindustrie das nicht mehr. Der Grund für sinkende Verkaufszahlen ist ganz ein anderer (so wie schon oben angedeutet): Die aktuell produzierte Musik ist so ein Dreck geworden, daß das gar keiner mehr will! Solchen Müll will man ja nichteinmal geschenkt! Und schon gar nicht zahlt man Phantasiepreise von 30 Euro, oder so, während viele Leute schon ein `Einkommen´ von Euro 1,30/h haben, also praktisch 1 Woche malochen sollen, für 1 kleine Plastikscheibe mit Materialwert 0 Euro!
Aber zurück zu den Schuppen und Kellern. Die gibt´s vermutlich nur noch, weil viele davon Umschlagplätze für Stoff bzw. dope sind. Und wenn die Typen zugedröhnt sind (z.B. mit 1-Phenyl-2-Aminomethyl-Propan), dann ist es sowieso völlig egal, welche “Musik” da gerade spielt.
April 6th, 2007 at 03:12
Noch ein da capo zur Musikindustrie: Der komplette Niedergang der derzeitigen Musikkultur und Musikszene ist nicht ausschließlich die Schuld der Musikindustrie. Da waren auch andere zumindest daran mitbeteiligt. Denn: Eine Musikgruppe kann soviel Murks spielen wie sie will, und die Musikindustrie kann soviel Murks produzieren wie sie will. Damit ist noch keinem geschadet. Denn: eine Musik, die man gar nicht kennt, kauft auch niemand. Hier sind wir am springenden Punkt angelangt, den Rundfunkanstalten. Den Musikredakteuren in den Rundfunksendern wird von der Musikindustrie der gerade aktuell produzierte Mist aufgenötigt und die Redakteure bestochen, was das Zeug hält. Ich habe Mitte der 80er Jahre zufällig live miterlebt, wie ein Rundfunkredakteur, der offenbar von zu vielen und zu aufdringlichen Bestechungsversuchen seitens der Musikindustrie total angefressen war, plötzlich ganz spontan während einer Moderation aus der Schule zu plaudern begann. Er meinte, es sei zwar schwierig so einen Posten zu bekommen, weil es nur wenige davon gäbe, aber wer einen ergattert habe, der habe ausgesorgt. Sein ganzes Studio sei vollgepflastert mit Geschenken der Musikindustrie, ebenso sein Zuhause. Er wisse gar nicht mehr, wohin mit dem ganzen Zeug. Außerdem gäbe es noch viel weitergehende Geschenke wie Reisen, Autos, Geldzahlungen usw. Er könne gar kein eigenes Programm mehr machen, könne nur noch spielen, was ihm die Musikindustrie vorschreibt.
Während dieser Zeit wurde ein weiterer eklatanter Skandal der deutschen Musikindustrie offenkundig. Weil einige Gruppen ihre Demobänder, die sie an die Plattenfirmen geschickt hatten, mit Absagebegründungen retourniert bekamen, die nicht stimmen konnten, wie `Ihre Musikrichtung paßt nicht in unser derzeitiges Programmangebot´, während die Musik genau auf der Linie der Plattenfirma lag, enstand der Verdacht, daß die Demobänder nichteinmal angehört worden waren. Daher fühlten diese Bands den Plattenfirmen auf den Zahn und schickten Leercassetten ein. Diese wurden wiederum mit oben genannter Begründung zurückgeschickt, womit der Fall klar war. Die Bands meldeten dann diesen Skandal an die damals bekannten Musikzeitschriften, die ihrerseits den gleichen Test machten, – mit dem gleichen Ergebnis.
Und etwas später verkündete die Musikindustrie in ihrem Geiz, daß sie nun die Nachwuchsförderung “vorerst” ganz einstellen würde. So als ob man, wenn man viel später wieder damit anfängt, wieder da beginnen könnte, wo man aufgehört hat. Inzwischen ist dann doch die Musikszene abgesoffen und zwar komplett; sowohl was die Konsumenten- als auch was die Musikerseite betrifft.
Wie im vorigen Beitrag erwähnt, waren selbst Weltstars auf Nachwuchsförderung angewiesen, sonst wären sie wahrscheinlich nie bekannt geworden.
Was erwartet man also, wenn man in seinem Geiz den Geldhahn zudreht, und zudem das Musikpublikum seit fast 30 Jahren mit “yeah yeah”-Gerappe und seit fast 20 Jahren mit Techno-”dumm, dumm, dumm, dumm” zumüllt?
Wenn man die Biographien von Jazz-, Rock- oder Popmusikern liest, warum die Stars überhaupt Musiker geworden sind, dann ist das immer wieder dieselbe Geschichte: die haben einmal eine LP oder ein Livekonzert gehört und waren von dieser Musik dann so begeistert, daß sie selbst das betreffende Instrument lernen oder in einer Gruppe spielen wollten. Bloß, – welches `Instrument´ sollte man bei Techno-`musik´ noch lernen? Ein Instrument gibt´s da ja gar nicht mehr, da läuft ja nur noch ein Sequenzer. Und Sequenzer nichteinmal mehr wie im früheren Sinne gemeint, als man “elektronische Musik” machte, sondern heute werden in einem Software-Sequenzer im Baukastenprinzip gleich ganze fertige musikalische Versatzstücke aneinandergereiht. Das ist von musikalischer `Kreativität´ und Instrumentenbeherrschung heute übriggeblieben.
Übrigens: Es ist schon vorgekommen, daß Handwerksbetriebe aus dem Wohnviertel ins Gewerbegebiet umsiedeln mußten, – wegen Lärmbelästigung. Wobei der Lärm dabei zumindest nicht vorsätzlich gemacht wird, sondern als Abfallprodukt bei der Arbeit entsteht. Andererseits gibt es nun Leutchen, die machen einen Lärm, der hundertmal lauter ist als ein Handwerksbetrieb, und dieser Lärm wird ausschließlich vorsätzlich gemacht aus rein egoistischen Motiven. Diese Leutchen fahren mit ihrem Auto durch die Straßen und zwangsbeschallen die ganze Gegend mit ihrem Techno-”dumm dumm”. Der Lärm dringt bis in die Wohnungen, selbst bei geschlossenen Fenstern. Den Automotor hört man vor lauter Krach gar nicht mehr, aber das “dumm dumm” schon, wenn diese Leutchen noch einen viertel Kilometer entfernt sind.
Diese `Musik´ ist nicht nur vom Inhalt, sondern schon von der Lautstärke her, in der sie der Umwelt aufgenötigt wird, oberaggressiv. Dieses dauernde “dumm, dumm, dumm, dumm” hört sich ja auch nicht anders an, als ob jede Sekunde eine Granate vom Flak abgeschossen wird. Da paßt es übrigens gut dazu, daß eine westliche Militärmacht, die dauernd im Ausland auf anderen Kontinenten Kriege führt und unschuldige Leute umbringt – eine Macht, die man aber in Deutschland nicht kritisieren darf, weil es ja “unsere Freunde” sind, und darum schreibe ich hier auch nicht, wer es ist – daß diese Macht ihren Soldaten, wenn sie grad wieder Massaker an Zivilbevölkerung begehen, aggressive
TECHNO-MUSIK in den Kopfhörer unter den Soldatenhelm einspielt. Zudem werden sie vorher auch an aggressiven Computerspielen geübt. Während es in Vietnam bei brutalen Einsätzen noch bis zu 50% Verweigerer unter den Soldaten gab, war das in Irak so gut wie nicht mehr der Fall. Die Soldaten berichten sogar, daß ihnen das Morden mit dieser Musikbeschallung “Spaß” mache. Na, dann ist diese `Musik´ ja doch noch für was gut gewesen. Wie man sieht bzw. hört, die Musikkultur entwickelt sich immer höher.
Vielleicht hat ja die deutsche Musikindustrie einfach das falsche Marketingkonzept? Vielleicht sollte man den jungen Leuten von heute sagen, daß man die CD nicht mehr in den CD-Player schiebt, sondern im Unterricht als Frisbee-Wurfgeschoß damit auf den Lehrer schießen kann. Wo war eigentlich die Erwachsenengeneration während ihre Kinder zu solchen Musik-Monstern verkommen sind?
Zum Schluß nochmal zu den Democassetten, bzw. man schickt ja schon längst CDs. Vor 12 Jahren sagte mir dazu ein Musiker, der auch öffentlich aufgetreten ist, er sei davon abgekommen, Demo-CDs an die Musikindustrie zu schicken. Von einem Bekannten in der Musikindustrie wisse er, daß diese Demo-CDs nur ausgeschlachtet werden. Die Musikindustrie würde die Demo-CDs kopieren, an ihre Vertrags-Gruppen schicken, die selber keine Ideen mehr hätten, und diese würden die guten Ideen klauen und in ihre eigenen Stücke einbauen. Und so eine Musikindustrie wagt es von “Kopierschutz” zu sprechen. Leute, laßt euch von dieser Mafia nicht mehr für dumm verkaufen. (Ich habe früher sehr viele CDs gekauft, inzwischen kaufe ich keine einzige CD mehr.) Da euch von denen ja ohnehin unterstellt wird, daß ihr kopiert, dann könnt ihr es auch ruhig tun. Fragt eure Bekannten, Schulkameraden, Freunde nach der Musik, die die schon haben und macht Kopien davon. Das ist völlig legal, wenn man die Kopie vom Audioausgang zieht, was qualitätsmäßig vollkommen genügt. Du kannst aber auch den Arbeitern mit dem Kompressor und dem Preßlufthammer an der nächsten Straßenbaustelle für ihre “Techno-Musik” 30 Euro geben. Das ist immer noch besser, als das Geld den Haien von der `Musik´-Industrie in den Rachen zu werfen.