Mit den Kanadiern einen russischen Tag erleben: Model G8, 9. April 2006

Endlich mal ausschlafen – nach den anstrengenden Verhandlungstagen, die nicht mehr als zwei Stunden Schlaf pro Tag erlaubten, eine klasse Sache. Mit den Kanadiern haben wir ausgemacht, dass wir heute in Ruhe die Stadt erkunden und uns nicht die übliche Touristentour geben. Dabei entdecke ich: Kanadier sind bestens dafür geeignet, Russland richtig zu verstehen.

Schon allein dadurch, dass Kanadier immer auf englisch und französisch denken müssen, und sich sowohl zu Europa und Amerika zugehörig fühlen, können sie die Gespaltenheit der russischen Seele gut verstehen, die mal zu Asien, mal zu Europa will. Kanadier wissen, wie schön es ist, bei den ersten Sonnenstrahlen im dennoch kalten St. Petersburg einen russischen Blinnie (eine Art gefüllter Eierkuchen) zu essen, in einem russischen Café zu sitzen, schwarzen Kaffee zu trinken und langsam die Zeit verstreichen zu lassen. Kanadier kennen das Gefühl, in einem Land zu leben, dessen Distanzen endlos sind, können verstehen, dass sich Russen hin und hergerissen sind zwischen der Wildheit der Natur und der stolzen Kultur in den Städten.

Abends dann im Kulturcafé – einer kleinen Dachstube gegenüber dem Moskosvaka Voksal, also dem Bahnhof für Zuge nach Moskau – sitzen wir dann bei einem russischen Bier und lassen die Tage an unserem inneren Auge vorbeiziehen. Schade, dass der Gipfel schon vorbei ist.

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