Was eigentlich einen guten Gipfel ausmacht – und warum Repräsentation so wichtig in Russland ist: Model G8, 8. April 2006
Gestern nachmittag gab es die offizielle Verabschiedungszeremonie – mit langen Reden von Politikern, die den Verhandlungsprozess nicht mitbekommen haben, aber uns sehr für die harte Arbeit dankten, mit einer 90minütigen Zeremonie, in dem das gemeinsame Papier unterschrieben wurde, aber nur eine Minute pro Land vorgesehen war, einige wichtige Punkte zu erwähnen und deswegen man über oberflächliche Sätze meist nicht hinauskam.
Auf dem Programm steht heute eine Stadtrundfahrt und die Abschlussparty. Zeit für mich, mir mal Gedanken zu machen, was eigentlich einen guten Gipfel ausmacht. Wenn viel Geld für Essen und Trinken ausgegeben wird, während weltweit jede Stunde 30.000 Menschen an Hunger sterben, muss so ein Gipfel irgendwie sich rechtfertigen. Wenn junge Menschen um den Globus fliegen, Tonnen an C02 verursachen, dann muss dieser Aufwand an Ressourcen irgendwie durch das Ergebnis wiedergutgemacht werden.
Aber dazu wäre es notwendig, dass ein Dialog stattfindet, der garantiert, dass die Ergebnisse nicht nur auf dem Papier vorhanden sind, sondern dafür sorgt, dass das Denken der Teilnehmer und ihre Wahrnehmung von der Welt sich verändert, der zu konkreten Projekten und Zielen führt, die dann auch umgesetzt werden können. Das hat der Model G8 Summit nicht geleistet.
Was die russischen Organisatoren aber geschafft haben, ist dass die Notwendig für internationale Kooperation von der russischen Politik viel stärker wahrgenommen wird, dass sich in Russland eine neue Generation an jungen Leuten heranbildet, die weniger auf Nationalstolz, sondern vermehrt auf Zusammenarbeit zwischen Menschen verschiedener Kulturen aus sind, um die globalen Probleme zu lösen. Insofern war ein bisschen offizielles Tam Tam wohl notwendig, um dies zu vermitteln.