Bavaria in Brussels – how an article gets changed
For the Youth Magazine of the German Government, schekker.de, I wrote an article about the Bavarian Representation in Brussels. The interesting thing is: my original text considerably changed after I submitted it to the editing team. The content is similar, but the style became very silly.
Below you find the original text of the published with the corrections made by the team. Now, which one is better? I personally think mine, because neither it has the strange lollipop-language in which adults communicate with children nor does it omit some serious criticism that I mentioned in my articles.
But what made me angry the most was the fact that the changes were made without my consent – even though I explicitly asked to see any changes before the publications and gave the editing team enough time and possibilities to feedback. In personal communication with the editing team, they told me something about problems with the German agency for Government communication – the Bundespresseamt. But I still think that any editor should stick to some publishing guidelines – like asking an author to confirm changes in article.
Ein Berliner bei den Bayern in Europa (Original)
- Was machen eigentlich die Bundesländer bei der EU? Ein Erfahrungsbericht
Jeden Dienstagabend füllt sich das beschauliche Café „Chez Bernard“ am Parc Leopold in Brüssel mit jungen Herren und Damen in Anzug und Kostüm. Wo sonst Englisch, Französisch und Flämisch gesprochen wird, hört der Gast auf einmal Sächsisch und Bayrisch, norddeutschen Platt, badisches G’schwätz oder Kölscher Dialekt. Es ist wieder Zeit für den Stammtisch der deutschen Praktikanten.
Einmal pro Woche treffen sich die deutschen Praktikanten in dem Café, um sich kennenzulernen, miteinander Belgisches Bier zu trinken und sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. In meinen acht Wochen als Praktikant bei der bayerischen Vertretung, genauer gesagt, der Vertretung des Freistaats Bayern bei der EU, war dieser Termin Pflichtprogramm. Hier tauschen die Praktikanten aus dem Europäischen Parlament und aus der Kommission, aus den Verbänden und Institutionen Klatsch und Tratsch aus, Infos über interessante Veranstaltungen machen die Runde, Visitenkarten wechseln den Besitzer. Nirgendwo anders lernt man besser, wie Brüssel eigentlich funktioniert, als an diesem Abend im „Chez Bernard“.
Nicht dass die EU-Politik nur in Hinterzimmern gemacht wird. Ganz im Gegenteil, die EU-Kommission und das Europäische Parlament sind wahrscheinlich die transparentesten öffentlichen Institutionen der Welt. Fast alle Informationen über die Arbeit der EU sind im Internet abrufbar, jede Rede der Kommissare kann nachgelesen werden, jede Eingabe eines Interessenverbands wird ins Internet gestellt, die Politik der Europäischen Union wird in einem sehr öffentlichen Verfahren mittels der Grün- und Weißbücher nachvollziehbar. Von der Europäischen Union könnten in Sachen Transparenz die Mitgliedsstaaten einiges lernen.
Ich hatte mich bei der Bayerischen Vertretung beworben, weil ich wissen wollte, wie das mit der Interessensvertretung funktioniert. Hatte dorthin geschrieben und gesagt, dass ich zwar in Berlin geboren, kein Katholik und auch nicht in der CSU bin, aber trotzdem gerne die Arbeit der Bayern in Brüssel hautnah erleben möchte.
Gleich am ersten Tag kam die Leiterin der Bayerischen Vertretung, Frau Böhm-Amtmann, auf mich zu, und stellte klar, dass nicht das Parteibuch zählt, sondern die Leistung. Und tatsächlich – entgegen allen Klischees: die in Brüssel arbeitenden Beamten sind hochkarätige Experten mit einem breiten Hintergrundwissen in europäischen Rechts-, Politik- und Wirtschaftsfragen. Keine windigen Lobbyisten, sondern aufmerksame Beobachter der Vorgänge in Brüssel. Oft bestimmen die Europaexperten durch ihren Rat die Politik der Landesregierung entscheidend mit.
Als Praktikant hat man in der Bayerischen Vertretung viel zu tun – Dokumente der Kommission, des Ministerrats und des Europäischen Parlaments müssen zusammengefasst werden, damit die Verwaltung in Bayern frühzeitig informiert werden kann. Angesichts der Vielzahl von Informationsveranstaltungen, die von den Europäischen Institutionen abgehalten werden, musste ich als Praktikant auch Termine wahrnehmen, an denen mein Betreuer schon andersweitig verplant war. Gar nicht so einfach, beispielsweise den Ausführungen der Experten über das europäische Schienensystem zu folgen, wenn man sich erst am Vortag in das Thema etwas einlesen konnte.
Aber auch Kommunikation ist wichtig. Die Bayerische Vertretung will, wie auch die anderen Vertretungen, nicht nur die Interessen des Freistaats vertreten, sondern gegenüber den Europäern die Lebensart, die Geschichte und die Kultur ihrer Region bekannt machen.
Bei solchen Gelegenheiten gibt es dann die obligatorischen Weißwürste oder Nürnberger Bratwürstchen. Bei Weißbier sieht man Abgeordnete, Kommissionsmitarbeiter, Verbandsvertreter und die Kollegen aus den Vertretungen der Länder beieinander stehen. Denn auch darauf kommt es an – frühzeitig zu erkennen, welche politischen Anliegen von den Mitgliedsstaaten der EU und den politischen Institutionen auf der Tagesordnung platziert werden.
Aber das ganze sollte nicht überschätzt werden. Mir fiel des Öfteren ein Stein vom Herzen, wenn sich bei einer Veranstaltung der mit Anzug und Krawatte ausstaffierte Sitznachbar beim Plaudern als Mitpraktikant herausstellte.
Die Bayerische Vertretung ist wohl die imposanteste Vertretung aller deutschen Bundesländer. Sie sieht aus wie ein kleines Schloss, weswegen sie von den Journalisten liebevoll und vielleicht ein bisschen neidisch Schloss „Neuwahnstein“ genannt wird. Auf den ersten Blick könnte man schon ins Grübeln kommen, warum die Bayern ein eigene Vertretung brauchen, wenn doch die bayerische Staatsregierung im Ausschuss der Regionen vertreten ist, bayerische Abgeordnete im Europarlament sitzen und bayerische Unternehmen ihre eigenen Verbindungsbüros in Brüssel aufgebaut haben.
Was mag der Föderalismus den Steuerzahler kosten, fragen sich die deutschen Touristen im Europaviertel, denn alle Bundesländer, viele Großstädte (z.B. Frankfurt und Stuttgart) und die Verbände der Kommunen und Gemeinden haben mittlerweile eigene Verbindungsbüros in Brüssel. Und es gibt ja noch die StäV, die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland, die so etwas wie die Botschaft Deutschlands bei der EU ist. Sie unterstützt die Arbeit der deutschen Minister im Ministerrat der EU und vertritt die deutschen Interessen. Da wurden die Bundesländer oft als Konkurrenten angesehen.
Doch ohne die Mitarbeit der Bundesländer in Brüssel geht es nicht. Die Bundesregierung und die Regierungen der Länder arbeiten eng zusammen, wenn es darum geht, in Europa sich einzubringen. Die Bayern haben sich zwischen Europaparlament, Ministerrat und dem Ausschuss der Regionen – die in riesigen Gebäuden aus Beton, Stahl und Glas inmitten des Europaviertels residieren – in einem alten Forschungsinstitut eingerichtet und können so den direkten Draht zu den anderen Institutionen pflegen.
Aber auch die anderen Mitgliedsstaaten der EU sind nicht schüchtern – mittlerweile sind aus jedem Mitgliedsland Europas Regionen und Kommunen in Brüssel vertreten – selbst die Stadt Brüssel selber hat ein Verbindungsbüro. Zusammen mit den NGOs, Verbänden, Unternehmen arbeiten mehr als 15.000 Interessensverbände und Lobbyistenbüros in Brüssel.
Wo bleibt da eigentlich der Bürger? Wie können Jugendliche denn ihre Interessen vertreten, angesichts dieser Vielzahl der Verbände und Organisationen? Wie können wir das Europa, in dem wir heute leben, so verändern, dass wir uns darin morgen auch noch wohl fühlen? Die Antwort ist nur, man muss lernen sich in Brüssel zurecht zu finden. Das lernt man allerdings nur vor Ort. Wer aber ein bezahltes Praktikum in den europäischen Institutionen (wie z.B. in der Kommission oder im Parlament) ergattern will, muss sich zuerst für das „Blaue Buch“ bewerben – eine Liste von möglichen Kandidaten für ein Praktikum. Hat man dies geschafft, kann man sich auf Stellen direkt bewerben, aber die Wartezeiten sind oft lang.
Unbezahlte Praktika in den Institutionen als auch bei den Verbänden gibt es zwar viele, aber das Leben in Brüssel ist deutlich teurer. Unseriöse Angebote gibt es zuhauf, dort wo die Praktikanten ein halbes Jahr lang nur kopieren und Kaffee kochen dürfen.
Wer sich mit dem Gedanken trägt, in Brüssel europäische Luft zu schnuppern, kann ja mal bei einem der Büros der Bundesländer nachzufragen. Wenn selbst ein Berliner wie ich bei den Bayern aufgenommen wird, dann schafft ihr das auch.